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Züchtung

25.05.2005
Fuchsianer!

Züchtung

"Samengewinnung und Aussaat

Wer sich einige Jahre mit der Fuchsienkultur beschäftigt hat, wird früher oder später den Wunsch haben, einmal einige der zahlreich angesetzten Fruchtstände zu ernten und aus purer Neugierde eine Aussaat der Samenkörner zu versuchen. Vielfältig wie die Fuchsien sind, tragen sie ganz verschiedene Früchte. Manche sind kugelrund und winzig, kaum 3 mm im Durchmesser, andere zylindrisch und schmal, wohl 2 cm und länger. F. procumbens aus Neuseeland trägt Beeren so groß wie kleine Pflaumen. Im reifen Zustand sind auch die Farben der Früchte verschieden, vom hellsten Gelbgrün über dunkelgrüne, dunkelrote und violette Töne bis zum tiefsten Schwarz ist alles zu finden.
Eine reife Frucht ist nicht mehr hart und fest, sondern weich und sehr saftig und gibt auf Fingerdruck leicht nach. Schneidet man sie vorsichtig mit einer Rasierklinge auf, ist deutlich zu sehen, daß jede Beere vier Kammern besitzt, wobei in jeder Kammer eine Anzahl Samenkörner eingebettet liegt. Auch die Zahl der Samenkörner in jeder Frucht variiert von einigen wenigen bis zu 100 und mehr.
Es gibt verschiedene Methoden, die Samen aus dem saftigen Fruchtfleisch zu lösen. In der Praxis hat es sich bewährt, die Beere an den 4 meist von außen gut sichtbaren Trennwänden der einzelnen Kammern in 4 Teile zu zerschneiden. Dann legt man alles auf ein helles, saugfähiges Papier, z. B. ein Papiertaschentuch oder Löschblatt, und löst mit einem spitzen Gegenstand (eine schmale Messerklinge) die Samen aus dem Fruchtfleisch. Auch ein hölzerner Zahnstocher oder eine starke Nadel sind geeignet.
Eine andere Methode ist, die Beere mit einer Gabel in einer Tasse zu zerdrücken und diese mit Wasser aufzufüllen. Die fruchtbaren Samen sinken auf den Grund der Tasse und das Fruchtfleisch wird mit dem Wasser vorsichtig abgegossen. Bei beiden Methoden lassen sich zum Schluß mit Hilfe eines guten Vergrößerungsglases die flachen, oft tauben Samen von den rundlichen, fruchtbaren trennen. Dann werden die Samen auf einem saugfähigen Papiertuch für einige Stunden getrocknet und wenn möglich sofort ausgesät.
Die eigentliche Technik der Aussaat ist im Kapitel „Vermehrung" ausführlich beschrieben. Wer kein Gewächshaus mit einem beheizten Vermehrungsbeet zur Verfügung hat und eine Aussaat auf der Fensterbank in den dunklen Monaten des Jahres nicht wagen möchte, kann die getrockneten Samen in einem geschlossenen Gefäß bis zum Frühling aufbewahren und erst dann aussäen. Da Fuchsiensamen sehr schnell ihre volle Keimkraft verlieren, sollte man den Aussaattermin nicht länger als nötig hinausschieben. Umfassende Untersuchungen über die Dauer der Keimfähigkeit von Fuchsiensamen sind nicht bekannt. Erfahrungsgemäß keimt im August geernteter und sofort ausgesäter Samen bei einer Bodenwärme von 12 bis 15 °C zu 100 %. Die Keimfähigkeit nimmt bei längerer Lagerung deutlich ab.
Ein anderer Aspekt ist die Keimdauer der Fuchsiensamen. Es ist möglich, daß die ersten Samen nach 14 Tagen bis 3 Wochen keimen, während man auf den Rest noch viele Wochen warten muß. In der Praxis bedeutet das, daß man die Sämlinge, wann immer sie das erste Paar echter Blätter voll ausgebildet haben, vorsichtig aus dem Saatgefäß herausnehmen und einzeln in Töpfchen pikieren muß. Dabei sollten die feinen Wurzeln sehr schonend behandelt werden.
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Die Aufgeschnittene Beere von Fuchsia procumbens. Die Samen sind in vier Kammern angeordnet. frisch pikierten jungen Sämlinge müssen noch einige Zeit mit Bodenwärme kultiviert werden. Erst wenn der erste kleine Topf (5 cm) gut durchwurzelt ist, können die Pflänzchen abgehärtet und an kühlere Temperaturen gewöhnt werden. Im August ausgesäte Fuchsien blühen schon im Spätsommer des folgenden Jahres.

Zuchtziele

Wie schon beschrieben, braucht man nicht allzuviel Geduld aufbringen, um die Ergebnisse der ersten Aussaat zu erleben. Ob es aber der Mühe wert war, ist eine andere Frage. Nur in ganz seltenen Fällen kommen aus solchen Zufallsbeeren, von denen man bestenfalls die Muttersorte kennt, neue Fuchsiensorten, die eine Verbesserung der bereits vorhandenen darstellen. Den bis heute bekannten und registrierten mehr als 6000 Fuchsiensorten, die freilich nicht mehr alle in Kultur sind, noch einige Allerweltsfuchsien hinzuzufügen, kann also kein erstrebenswertes Ziel sein. Wenn beim ersten, mehr aus Freude am Experimentieren durchgeführten Versuch das Interesse einmal geweckt worden ist, sollte man sich Gedanken darüber machen, wo durch gezielte Züchtung noch Verbesserungen wünschenswert und erreichbar sind.
Nimmt man als Beispiel die Triphylla-Hybriden, so könnte man versuchen, durch gezieltes Kreuzen eine größere Widerstandsfähigkeit gegen niedere Temperaturen oder auch eine bessere Verzweigung zu erreichen. Eine aufrecht wachsende, sich von Natur aus gut verzweigende Fuchsiensorte mit dem herrlichen, reinen Rosa von ‚Pink Galore' wäre wünschenswert. Viele, sonst schon recht gute orangefarbenen Sorten haben die schlechte Eigenschaft, bei starker Sonne an den Blüten Brandflecken zu bekommen. Die Blüten widerstandsfähiger zu machen, wäre ein lohnendes Zuchtziel. Mit Dankbarkeit würden gewiß auch Fuchsiensorten aufgenommen, die in unserem Klima überall zuverlässig winterhart wären und nicht nur in einigen wenigen von der Natur bevorzugten Gebieten.
Fuchsien mit weißen oder cremfarbenen Sepalen und roter Korolle gibt es mehr als genug. Wenn eine neue Sorte ein klares Johannisbeerrot brächte, das auch im Verblühen nicht nach Blau verfärbt wie z. B. ‚Celia Smedley’ von G. Roe, so wäre das ein sensationeller Erfolg. Ob es möglich sein könnte, manchen, sonst herrlichen Sorten dieses oft unschöne Verblühen abzugewöhnen, sei dahingestellt. Ein Zuchtziel für einen ambitionierten Züchter mit den notwendigen Kenntnissen wäre es bestimmt.

Etwas Vererbungslehre

Neben den elementaren Kenntnissen der Vererbungslehre von Gregor Mendel sollte ein künftiger Züchter auch reiche Sortenkenntnisse besitzen, damit er auf dem langen und oft mühseligen Weg zu neuen Fuchsiensorten nicht zeitraubende, unnötige Umwege macht. Deshalb werden als Eltern 2 Fuchsiensorten ausgesucht, die dem angestrebten Ziel schon recht nahe kommen und Erfolg versprechen. Die Sorte, die die Frucht- oder Samenbeere tragen soll, ist die Muttersorte und wird bei der Angabe der Eltern zuerst genannt. Der Pollenspender, die Vatersorte, folgt dahinter, z. B. ‚Pink Galore’ x ‚Laurie’.
In der Praxis wird man bald herausfinden, daß einige Sorten besonders gute Muttersorten, andere gute Vatersorten sind. Die guten Mütter sucht man sich unter jenen Sorten aus, die gut und reichlich Früchte ansetzen, auch wenn sie nicht gezielt bestäubt worden sind. Die Sorten, die sich selbst putzen, d. h. die verblühte Blume mitsamt dem Fruchtknoten abwerfen, sind für Zuchtzwecke nicht geeignet und häufig steril.
Berühmte Muttersorten, die oft zur Züchtung verwendet worden, sind
‚Alice Hoffmann’,
‚La Campanella’,
‚Rose of Castille’.
Gute Polleneltern, also Vatersorten, sind dagegen
‚Citation',
‚Flying Cloud’,
’Mrs. W. Rundle'.
Solche Erfahrungen nützen dem angehenden Züchter, der ganz bestimmte Ziele im Auge hat, wenig. Er muß sich ganz spezielle Eltern für seine Zuchtlinien aussuchen. Eigenschaften, die sich dominant vererben, sind bei Fuchsien die starken Farben rot und blau, Kleinblütigkeit oder der starke Wuchs einer Sorte. Pastelltöne werden rezessiv vererbt. Wenn man Fuchsienhybriden kreuzt, die inzwischen in ihrer Erbmasse sehr komplex sind, läßt sich ein konkretes Ergebnis schwer voraussagen. Man muß als Züchter viel Geduld aufbringen. Jede neue Kreuzung ist für viele Überraschungen gut. Bevor die Wissenschaft herausgefunden hat, daß das Erbgut aller Lebewesen in den Chromosomen im Zellkern gespeichert ist, war manche Bemühung, neue Fuchsiensorten zu züchten, von Mißerfolgen bestimmt. Neue Sorten entstanden mehr oder weniger durch Zufall.
Eine Fuchsienart, d.h. die Wildform, hat in der Regel 2 Chromosomensätze mit je 11 Chromosomen (2 x 11 = 22) und wird als diploid (2n) bezeichnet. F. magellanica und F. lycioides sind Ausnahmen, sie haben von Natur aus einen vierfachen Satz (4 x 11 = 44) und sind demnach tetraploid (4n). Alle Sorten mit mehr als 2 Chromosomensätzen nennt man polyploid. Im einzelnen sind diploide (2n), triploide (3n), tetraploide (4n), pentaploide (5n), hexaploide (6n), heptaploide (7n), octoploide (8n) und nonaploide (9n) Fuchsien bekannt.
Für den Züchter ist wichtig zu wissen, daß Fuchsien mit einer ungeraden Zahl von Chromosomensätzen (3n, 5n usw.) in der Regel unfruchtbar (steril) sind - wie viele andere Pflanzen übrigens auch. Eine Bestäubung wird entweder zu keinen oder zu nicht-lebensfähigen Samen führen. Daraus ergibt sich, daß nur. dann lebensfähige Samen zu erwarten sind, wenn geradzahlig Polyploide (2n, 4n usw.) miteinander gekreuzt werden.

Daneben kann die Kreuzung von Fuchsien mit ungeradzahligen Chromosomensätzen zu sterilen Nachkommen führen. Kreuzt man z. B. F. splendens (2n) mit F. magellanica (4n), entstehen zunächst lebensfähige Samen. Aus diesen entwickeln sich oft aber unfruchtbare, triploide Fuchsien, die in der Regel für die weitere Züchtungsarbeit nicht mehr zu gebrauchen sind. Nach Chaudhuri (1956) sind ungeradzahlig polyploide Fuchsien aber nicht immer steril, vielmehr ist eine generative Vermehrung über sogenannte unrechtzierte Gameten häufig anzutreffen.
Dieser Punkt ist in der Züchtung von Fuchsien-Hybriden sehr wichtig, denn so erklärt sich die Entstehung pentaploider oder heptaploider Sorten. Ein besonderes Kennzeichen ungeradzahliger Polyploider ist auch, daß sie mangels Samenansatz nur vegetativ vermehrbar sind.
Die Erklärung dafür, daß Pflanzen mit geradzahligen Chromosomensätzen fruchtbar, die mit ungeradzahligen aber unfruchtbar sind, ist einfach: ungerade Sätze sind schlecht teilbar. Nach der Verschmelzung von weiblicher und männlicher Geschlechtszelle - sofern es überhaupt zur Befruchtung kommt - erfolgt eine unregelmäßige Verteilung der Chromosomen auf die Tochterzellen, die sich dann meist nicht mehr normal weiterentwickeln können. Bei geradzahligen Sätzen erfolgt die Verteilung gleichmäßig, so daß eine normale Entwicklung der Tochterzellen möglich ist.
Allerdings haben Wissenschaftler durch Bestrahlung oder Colchicin-Behandlung der Pflanzen in diesem Fall die Möglichkeit, die Chromosomensätze künstlich zu vervielfachen. Theoretisch ließe sich so aus einer triploiden (3n) Pflanze eine hexaploide (6n) schaffen, die, da mit geradzahligem Satz, wieder fruchtbar wäre. Auch die modernen Verfahren der Gewebekultur bieten in diesen Fällen Problemlösungen an (Embryokultur).
Der Fuchsienzüchter hat es in dieser Hinsicht manchmal einfacher als der Züchter anderer Pflanzen. Es kommt nämlich relativ häufig vor, daß Fuchsien, die triploid, pentaploid oder heptaploid sind, ihre Chromosomensätze auf natürliche Weise verdoppeln. Viele der F1-Hybriden von F. magellanica x F. fulgens haben dies wiederholt getan und es gibt eine Menge schöner Hybriden, die ihre Ahnenreihe auf diese beiden Wildformen zurückführen können. Auch die beiden fast weißen Sorten `Rolla' (7n) und 'Countess ofAberdeen' (5n) wurden und werden immer noch zur Züchtung benutzt und haben viele gute und bekannte Nachkommen hervorgebracht.

Blüte und Bestäubung

Bevor man den ersten Schritt auf dem Weg zur praktischen Züchtungsarbeit tut, sollte man sich den Aufbau einer Fuchsienblüte und die Funktion der einzelnen Blütenteile anschauen.
Der Blütenstiel ist 20 mm bis zu 8 cm lang, je nach Sorte entweder rot oder grün und führt der Blüte die notwendigen Nährstoffe zu. Am Stiel sitzt der Fruchtknoten, der auch wieder rot oder grün sein kann und in seinen 4 Kammern die Samenanlagen enthält. Daran schließt sich der Kelch (Calix) an. Er besteht bei der Fuchsie aus der Kelchröhre (Tubus) und 4 Kelchblättern, den Sepalen. Aus dem Kelch heraus, teilweise mit ihm verwachsen, ragen die Kronblätter (Petalen). Dies können bei einer einfachen Blüte 4, bei einer halbgefüllten 7 sein. Blüten mit vielen Petalen nennt man gefüllt. Die Petalen zusammengefaßt werden als Krone (Corolla, Korolle) oder Blütenkrone bezeichnet. Weit aus der Krone ragt der Stempel mit der Narbe, der durch die Blüte hindurch mit dem Fruchtknoten verbunden ist, umgeben von 8 Staubfäden mit den Staubbeuteln (Antheren). Die Fuchsie macht durch die offene Lage ihrer Sexualorgane den Bestäubungsvorgang leicht und unkompliziert. Einige Regeln, die sich in der Praxis bewährt haben, sollte man aber beachten. Pflanzen, die als Eltern ausgewählt wurden, sollten so früh im Jahr wie möglich in Kultur genommen werden. Weil recht früh Blüten erscheinen sollen, wird nicht entspitzt und die Pflanze ohne jede Verzögerung bis maximal zum 12 cm Topf durchkultiviert. Ist dieser durchwurzelt, kann man bald mit den Blüten rechnen.
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Auch mit Dünger sollte man sparsam sein. Es ist nicht Wachstum anzustreben, sondern eine frühe Blüte, so daß bis spätestens Ende Mai blühende Pflanzen zur Verfügung stehen. Die ersten Blüten, die an den beiden Elternpflanzen erscheinen, bleiben zunächst unberührt; sie sollen den Pollen spenden. Der Pollen braucht eine gewisse Reifezeit und muß zu dem Zeitpunkt im richtigen, ausgereiften Zustand sein, wo die weiteren Blüten der beiden Pflanzen so weit entwickelt sind, daß sie sich gerade zu öffnen beginnen. Ob der Pollen bereit ist zu stäuben, kann man testen, indem man mit dem Fingernagel über einen Staubbeutel fährt. Wenn Pollenkörnchen am Nagel hängenbleiben, ist der richtige Zeitpunkt erreicht. Kurz bevor sich die zu bestäuben den Blüten von selbst öffnen, hilft man ein wenig nach und spreizt die Kronblätter mit leichtem Druck. Um einer Selbstbestäubung vorzubeugen, werden mit einer kleinen, scharfen Schere die Staubfäden und wenn nötig auch die Petalen abgeschnitten (s. Zeichnung). Stempel und Narbe liegen jetzt frei.
Oft wird man mit der Bestäubung 1 bis 2 Tage warten müssen, bis die Narbe feucht, klebrig und somit aufnahmefähig wird. Um jede Fremdbestäubung durch Wind oder Insekten auszuschließen, wird um die Narbe ein Stückchen Alufolie gehüllt. In den warmen Mittagsstunden ist es dann meistens soweit, daß man die Bestäubung vornehmen kann. Die Blüte mit dem reifen Pollen wird abgeschnitten, die Hülle von der Narbe der Mutterpflanze entfernt. Ein leichtes Bestreichen der feuchten Narbe mit dem Pollen, sicherheitshalber 1- bis 2mal wiederholt, bis die Narbe völlig mit Pollen bedeckt ist, sollte ausreichen. Unmittelbar danach wird die bestäubte Blüte mit einem Beutelchen aus luftdurchlässigem Stoff umhüllt. Eine Methode, die bekannt ist. Sie hat aber den Nachteil, daß die Fäulnisgefahr im Beutel sehr groß ist.
In den letzten Jahren hat sich bei den Züchtern eine neue Methode, die bestäubte Blüte zu schützen, als einfacher und besser erwiesen. Bisher war es üblich, nach der Bestäubung die ganze Blüte in ein Stoffsäckchen oder ähnliches zu stecken. Nachdem sich die Blüte von der Frucht gelöst hatte, mußte man den Beutel wegen der Fäulnisgefahr wieder abnehmen. Das war jedesmal mit der Gefahr verbunden, daß Blüte oder Frucht dabei abbrachen. Heute macht man sich ein Produkt der Pharmaindustrie zunutze, mit dessen Hilfe es möglich ist, die Blüte so schonend wie nur irgend möglich zu behandeln und ihre mechanische Beanspruchung auf ein Minimum herabzusetzen. Es handelt sich um jene Gelatine-Kapseln, in denen das eigentliche Medikament eingeschlossen ist und die heutzutage die konventionellen Tabletten abgelöst haben. (Capsulae Operculatae). Meistens sind sie 'recht farbenfroh. Für den genannten Zweck kann man sie aber auch leer und glasklar bekommen. Nach der Bestäubung schiebt man die Hälfte einer solchen Kapsel vorsichtig über den Stempel und befestigt sie mit ein bißchen Watte. Kapseln von 1,0 oder 0,5 cm3 Inhalt haben die richtige Größe.
Um zu verhindern, daß beim Abfallen der reifen Frucht die Daten verlorengehen, befestigt man kleine Stückchen von Plastik-Etiketten mit feinem Draht oder Faden am Blütenstiel. Man kann auch ganz schmale Klebestreifen benutzen. Sicherheitshalber wird die Prozedur dann umgehend ausgeführt. Wenn man beim ersten Bestäubungsvorgang A als Mutter pflanze und B als Vaterpflanze behandelt hat, benutzt man jetzt B als Mutterpflanze und A als Vaterpflanze. Zum Schluß kommt an jede bestäubte Blüte ein Etikett mit den genauen Angaben und Daten der durchgeführten Kreuzung, z. B. ‚La Campanella’ x ‚White Spider' 01.06.1981.
Auf sein gutes Gedächtnis sollte man sich lieber nicht verlassen. Schon gar nicht, wenn mehrere Kreuzungen gleichzeitig vorgenommen werden. Zur Sicherheit legt man noch ein Notizheft an und trägt dort alle Einzelheiten der Kreuzung ein. Vorausgesetzt, man hatte Glück und die beiden ausgewählten Elternsorten passen zueinander, zeigt es sich bald, ob die Bestäubung erfolgreich war. Gelegentlich kommt es nämlich bei Fuchsien und anderen Pflanzen, die über längere Zeit Gegenstand intensiver Züchtung gewesen sind, vor, daß der einzige Effekt der Bestäubung eine Stimulation des Fruchtknotens ist. Er vergrößert und entwickelt sich, reift aus, aber enthält nichts außer einigen vertrockneten Samenanlagen (Ovarien). Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß die Pflanze steril ist. Die Ursache kann eine Unverträglichkeit, selbst bei geradzahligen Chromosomensätzen sein. Man kann versuchen, diese Schwierigkeiten auszuschalten oder zu überwinden, indem man die Kreuzung doppelt ausführt.
Die verblühte Blume wird nach einiger Zeit abfallen und es bleibt nur die befruchtete Beere an der Pflanze zurück. Selbstverständlich kontrolliert man die Fruchtbeeren von Zeit zu Zeit. Ab August etwa ist mit reifem Samen zu rechnen. Bei einer gezielten Kreuzung ist die Spannung und Erwartung besonders groß. Wieviele Samen mögen das Ergebnis der Mühe sein? Es können viele sein, aber manchmal ist man schon dankbar, wenn mit Hilfe einer Lupe 3 bis 5 vollausgebildete, fruchtbare Samen zu entdecken sind. Werden diese sofort ausgesät, sollten mit etwas Glück und bei guten Voraussetzungen für eine zügige Kultur bis spätestens im Juli des folgenden Jahres die ersten Blüten der selbst „geschaffenen" Fuchsien bestaunt werden können. Leider ist Enttäuschung auch nicht selten.
Die Chance, daß bei den Fuchsien aus dem ersten Kreuzungsversuch hinsichtlich Wuchs, Blütenform oder -farbe etwas wirklich Neues entsteht ist gering, nur etwa 1:1000. Das bedeutet, eine große Anzahl Sämlinge aufziehen zu müssen, um die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges zu erhöhen.
Wer Freude an der Züchtung gewonnen hat, aber von den ersten Resultaten enttäuscht ist, sollte noch nicht aufgeben. Wenn die gewonnenen Sämlinge untereinander gekreuzt oder geselbstet werden, d. h. mit ihrem eigenen Pollen bestäubt werden, bringt eventuell die F2-Generation erst die verborgenen Erbmerkmale zum Vorschein und den Züchter einen Schritt weiter auf den Weg zum anvisierten Ziel.
Für den wirklichen Fuchsienliebhaber sollte es selbstverständlich sein, schwächliche Pflanzen, deren Konstitution zu wünschen übrig läßt, auszulesen und gar nicht erst aufzuziehen. Obwohl viele Züchter in mehr als 140 Jahren immer neue Fuchsiensorten entwickelt haben, hat diese Pflanze bis heute ihre Vitalität und ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten noch nicht verloren. Das spricht sehr für das Verantwortungsbewußtsein der früheren Züchter."

Quelle: Fuchsien, Gerda Manthey, 2. erw. Auflage, Stuttgart: Ulmer 1987, S.96ff

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